Hier droht der nächste Corona-Lockdown

Das Berchtesgadener Land in Bayern muss als erster Landkreis in der zweiten Corona-Welle in den Lockdown. Nun geht in anderen Hotspots die Sorge vor einschneidenden Maßnahmen um. Doch wie berechtigt ist das? Ein Überblick.

Bayern hat am Montag die Reißleine gezogen. Wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen wurde für den Landkreis Berchtesgadener Land ein Lockdown verhängt. Konkret heißt das, dass für das Verlassen der eigenen Wohnung triftige Gründe vorliegen müssen, dass Schulen und Kitas sowie Freizeiteinrichtungen aller Art und Restaurants schließen müssen, dass Hotels ihren Betrieb einstellen und die Gäste nach Hause fahren müssen. Die Maßnahmen gelten zunächst für 14 Tage.

Anlass für das bislang „härteste Protokoll“, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, war der dramatische Anstieg der 7-Tage-Inzidenz im Landkreis auf über 270 am Montag. Das heißt, dass innerhalb von sieben Tagen mehr als 270 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert wurden. Bund und Länder haben die Grenze für deutliche Eingriffe bei einem Wert von 50 gesetzt.

Doch das Berchtesgadener Land im Südosten Bayern ist bei weitem nicht der einzige Landkreis in Deutschland, der auf der Übersichtskarte dunkelrot ins Auge fällt. Mehrere Dutzend Regionen in Deutschland weisen 7-Tage-Werte von über 75 auf. Delmenhorst kommt mit über 200 dem bayerischen Hotspot schon gefährlich nah. Droht dort nun der nächste Lockdown? Oder müssen andere Gebiete mit Einschränkungen rechnen, wo der 7-Tage-Wert ebenfalls dreistellig ist (Stand 20.10., 0 Uhr)? Und wie verhalten sich die lokalen und regionalen Entscheidungsträger, die am Ende das Sagen in Sachen Lockdown haben? Ein Überblick.

Bayern
Alarmierend ist in Bayern auch die Lage in Rottal-Inn, wo die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei rund 134 liegt. Es folgen Weiden in der Oberpfalz mit 117, Schweinfurt Stadt mit etwa 105 und Mühldorf am Inn mit annähernd 103. Augsburg ist wieder knapp unter die 100er-Marke gerutscht, zwischenzeitlich war die 7-Tage-Inzidenz schon deutlich höher.

Dass die bayerische Landesregierung willens ist, im Ernstfall harte Maßnahmen zu verhängen, hat sie im Berchtesgadener Land gezeigt. Dem Landkreis war nach den Worten von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Kontrolle über das Infektionsgeschehen entglitten. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. „Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden“, sagte er. „Anders geht es nicht.“ Bayern hat bereits eine der bundesweit schärfsten Infektionsschutzverordnungen. Ab dem Überschreiten kritischer Infektionswerte gilt unter anderem eine erweiterte Maskenpflicht – auch auf stark besuchten öffentlichen Plätzen, am Arbeitsplatz und in Schulen, Gaststätten müssen dann früher schließen, im Freien wie im Privaten gelten Kontaktbeschränkungen. Ministerpräsident Söder hatte zuletzt darauf gedrängt, die Maßnahmen bundesweit zu vereinheitlichen. Um massive Einschränkungen wie im Frühjahr zu vermeiden, müsse man nun „ernsthaft gemeinschaftliche Maßnahmen ergreifen“. „Entweder schaffen wir es, in den nächsten vier Wochen wieder die Zahlen unter Kontrolle zu bekommen – oder es wird sehr schwierig.“

Baden-Württemberg
Dramatische Zahlen wie der Südosten Bayerns hat das benachbarte Baden-Württemberg bislang noch nicht. Am auffälligsten sind derzeit Heilbronn mit rund 104 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen sowie Stuttgart mit etwa 80. Doch weil die 7-Tage-Inzidenz zuletzt landesweit den Wert von 35 überschritten hatte, rief die Landesregierung die höchste Corona-Alarmstufe aus. Seit Montag gelten im Südwesten eine verschärfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und zusätzliche Kontaktbeschränkungen.

Baden-Württemberg nähert sich damit einem Lockdown an. Ministerpräsident Kretschmann warnte am Wochenende, sollten die nun verhängten Einschränkungen über sieben bis zehn Tage nicht wirken, werde man die Maßnahmen verschärfen und etwa die Treffen im öffentlichen Raum drastisch einschränken. „Das muss jedem klar sein: Wenn das nicht geht, dann werden wir zum Schluss sehr viel härtere Maßnahmen ergreifen müssen, die dann auch tiefer ins Arbeitsleben eingreifen.“

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