Reise zum Schiefen Turm von Pisa

Schiefer Turm von Pisa
Schiefer Turm von Pisa

Es gibt mit Sicherheit keinen Reiseführer über Italien, der nicht auf mindestens einer Doppelseite mit einem großen Foto eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes beschreibt. Wenn doch, würde jeder sagen: Die haben ja gar keine Ahnung. Damit ist klar, der Schiefe Turm von Pisa ist die Attraktion schlechthin. Jeder kennt wahrscheinlich die lustigen Fotos mit Menschen, die mit dem einen Arm den Turm abstützen, damit er nicht umfällt.

Die Geschichte, warum der Turm schief steht, ist eigentlich sehr interessant. Im frühen Mittelalter war die Republik Pisa eine bedeutende Handels- und Seemacht im Mittelmeerraum. Das bescherte der Stadt einen erheblichen Reichtum, der mit dem Bau repräsentativer Gebäude zum Ausdruck kam. Der Bau des Doms von Pisa begann im Jahr 1063 und wurde knapp 100 Jahre später um 1158 vollendet. Zur Vervollständigung der Anlage um diese fünfschiffige Basilika mit einem dreischiffigen Querhaus an der Piazza dei Miracoli wurde der Bau eines Glockenturmes beschlossen.  

Der Grundstein für diesen Glockenturm, der wie der Dom im Stil der italienischen Romanik entstand, wurde am 9. August 1173 gelegt. Schon zwölf Jahre später merkten die Bauleute aber, dass sich der Turm nach Südosten neigte. Daraufhin wurde der Bau für 100 Jahre unterbrochen. Die Pläne für den Turmbau wurden geändert und man setzte die folgenden Etagen etwas versetzt auf den vorhandenen Turmstumpf. Der Turm neigte sich aber trotzdem weiter. Aus den ursprünglich geplanten 100 Metern Höhe sind demzufolge also nur 56 Meter geworden. 

Offensichtlich war den Bauleuten zu Beginn des Turmbaus nicht ganz klar, wie der Untergrund beschaffen war. Heute weiß man, dass der Turm am Rand einer ehemaligen Insel des Arno direkt neben einem antiken Hafenbecken steht, das zur Bauzeit schon verlandet war. Der lehmige und morastige Untergrund war logischerweise nicht in der Lage, den Turm aus weißem Carrara-Marmor zu tragen.  

Einer der berühmtesten Söhne von Pisa, nämlich GalileoGGalileisoll seinem Schüler und BiBiografenVincenzo Viviani zufolge Fallversuche auf dem Turm durchgeführt haben. Leider hat Galileo Galilei darüber selbst nichts schriftliches hinterlassen. Trotzdem kann man wohl davon ausgehen, dass Galileo Galilei das eine oder andere Experiment mit dem Turm durchgeführt hat.

Seit dem Beginn der 90er Jahre gab es viele Maßnahmen zur Sicherung des Turmes. Bis 2001 war er deshalb für Besucher und Touristen gesperrt. Das war aber auch nötig, denn ohne diese Maßnahmen hätte der Turm durch die Besucherströme früher oder später Schaden genommen und wäre vielleicht tatsächlich umgekippt, was natürlich verhindert werden musste. Um den Turm wurden Stahlreifen angebracht und im Fundament wurden einige hundert Tonnen Bleibarren eingebaut. Dadurch ist es gelungen, den Turm um 44 Zentimeter aufzurichten, so dass er heute eine Schieflage von nur 3,97 Grad hat.

Auch sonst präsentiert sich der Schiefe Turm von Pisa (Campanile) seit dem Abschluss der Sicherungsarbeiten wieder in eine Eleganz, wie sie ganz typisch für die italienische Romanik ist. Mit einer Masse von 14.200 Tonnen weißem Carrara-Marmor und knapp 1.000 Tonnen Blei ist der Turm aber ein echtes Schwergewicht, dafür dass er nur 56 Meter hoch ist und 12  Meter Durchmesser hat.

Jedes Jahr besuchen tausende Menschen die Stadt Pisa in der Toskana, die mit ihren knapp 90.000 Einwohnern eher mittelgroß ist. Da neben einer großen Universität mit der Scuola Normale Superiore und der Scuola Superiore Sant'Anna zwei Eliteschulen in Pisa ihren Sitz haben, ist die Stadt in den Sommermonaten vergleichsweise leer. Neben dem Schiefen Turm hat Pisa mit dem Baptisterium, der Camposanto Monumentale, der Kirche Santa Maria della Spina und der Piazza dei Cavalieri auch den ältesten Botanischen Garten der Welt, der schon 15 angelegt wurde.